Das
Licht Muhammeds
Es
war das Jahr 571 an einem heißen Sonntag ....
Der
Statthalter von Jemen namens Ebrehe war mit seiner Armee bis nach Mekka vorgerückt.
Er war sehr wütend, da die Besucherscharen nach wie vor von der Kaaba angelockt
wurden und nicht von der von ihm erbauten und mit Juwelen ausgestatteten
Kirche. Deshalb hatte er sich geschworen, die Kaaba dem Erdboden gleich zu
machen.
Seine
Armee war nicht mehr zu halten. Sie griffen die einheimischen Mekkaner an und
beschlagnahmten ihre Tiere. Darunter waren auch die 200 Kamele von Abdulmuttalib,
dem Großvater unseres Propheten. Abdulmuttalib war der Anführer des
koreischitischen Adels. Er ging zu Ebrehe, um seine Kamele zurückzufordern.
„Ich bitte um Rückerstattung meiner Kamele." sagte er.
Ebrehe
war darüber erstaunt und zornig: „Ich bin gekommen, um eure Kaaba zu zerstören.
Du jedoch redest von lächerlichen 200 Kamelen. Was soll das heißen?"
fragte er.
Abdulmuttalib
bewahrte seine Ruhe. „Ich bin der Besitzer meiner Kamele," entgeg-nete er
„und der Besitzer der Kaaba ist Allah. Er wird seinen Besitz zweifellos beschützen,
davon bin ich überzeugt. Wenn ihr euch aufmacht, um die Kaaba zu zerstören,
werdet ihr ihn vor euch finden."
Ebrehe
überlegte einen Moment und drehte seinen Kopf nach beiden Seiten, denn was
Abdulmuttalib gesagt hatte, hatte ihn nachdenklich gemacht. Schließlich händigte
er Abdulmuttalib seine Kamele wieder aus.
Die
Mekkaner waren sehr in Aufregung, weil sie nicht genügend Kraft hatten, der
Armee von Ebrehe entgegenzutreten. Sie verließen die Stadt und von den Bergen
hielten sie Ausschau, was nun Ebrehes Armee machen würde.
Ebrehe
besaß riesige Elefanten. Mit diesen wollte er die Kaaba zerstören. Voran, ganz
an der Spitze, marschierte der weiße Elefant Mahmut. Als er in die Nähe der
Kaaba kam, hielt er an und sank zu Boden. Was seine Führer auch taten, es half
nichts. Mahmut wollte einfach nicht auf die Kaaba zulaufen. Wenn man ihn in Richtung
Jemen drehte, lief er. Aber wenn man ihn danach in Richtung der Kaaba drehte,
blieb er stehen und ging keinen Schritt weiter.
Alle
waren sehr erstaunt und manche befiehl große Angst. „An der Sache muß etwas
dran sein," dachten sie. Doch wieder griffen sie auf Befehl Ebrehes an,
dessen Plan es war, ganz Mekka und die Kaaba niederzumachen.
Genau
in diesem Moment geschah etwas Atemberaubendes, Scharen von Ebabil-Vögeln
(Schwalben) sammelten sich am Himmel. Sie flogen über die Armee von Ebrehe und
jeder Vogel warf drei erbsengroße Steine hinab. Eine Stein trugen sie im
Schnabel und die anderen je in ihren Krallen.
Die
Vögel waren durch den Befehl Gottes aufgestiegen und warfen die Steine wie
Handgranaten auf die Armee von Ebrehe. Es ereignete sich genauso wie Abdulmuttalib
es vorausgesagt hatte: "Gott beschützte seinen Besitz."
Jeder,
der von einem Stein getroffen wurde, fiel tot um. Die Steine durchlöcherten die
Soldaten. Es dauerte nicht lange und die Armee löste sich auf, da die Soldaten
anfingen davonzulaufen. Doch die Vögel verfolgten sie und töteten sie alle.
Auch Ebrehe wurde von den Steinen getroffen und erlag den Verletzungen.
Dieses
Geschehen zeigt die Allmächtigkeit Gottes. Wenn Gott will, beschützt er. Wenn
er will, vergibt er. und wenn er will, kann er dafür sorgen, daß so kleine Vögel
eine ganze Armee besiegen.
Es
ist der 20. April 571, noch vor dem Morgengrauen des Sonntags auf den Montag ...
Ein
warmer Wind wehte durch die Straßen Mekkas. Der Himmel war ganz wolkenlos.
Die Sterne leuchteten heller und die Erde war ruhiger wie sonst. Es war, als ob
das Universum etwas erwartete.
Die
Stadt Mekka schlief. Nur in einem Haus war Aufregung. Hier hatten bei einer Frau
gerade die Wehen angefangen. Sie war eine Witwe. Ihren Mann hatte sie in den
ersten Monaten ihrer Schwangerschaft verloren. Diese ehrwürdige Frau war Hz.
Annina. Drei Frauen waren bei ihr während der Geburt. Die eine hieß Schifa
Hatun, die andere Fatma Hatun und die dritte hieß Ummu Eymen. Sie sollten später
die Pflegemütter dieses schönen Kindes werden.
Alle
drei halfen Hz. Amina so gut sie nur konnten. Auf der Stirn von Amina leuchtete
ein Licht. Es leuchtete so hell, daß man weder Sonne, Mond noch etwas anderes
brauchte, um das Zimmer zu erhellen. Das Zimmer roch wundervoll. Niemand wußte
warum und woher dieser Geruch kam.
Es
war kurz vor Sonnenaufgang. Überall war es ganz still. Es war, als wenn alles
erstarrt wäre. Alle Geschöpfe wollten sehen und hören was passiert, als ob
alles ein Ohr und ein Auge wäre.
Unvergleichliches
geschah. Unser Gesandter, das Vorbild der Menschheit, Muhammed (a.s.v.) kam auf
die Welt.
In
diesem Moment bedeckte ein helles Licht die Erde.
Das
Gesicht des Babys war unbeschreiblich sauber und strahlend. Bis jetzt hatte man
so etwas noch nie gesehen. Seine Blicke waren tiefsinnend und auf seinen Lippen
lag ein süßes Lächeln.
Und
die glücklichste aller Mütter hörte eine Stimme, eine Stimme bei der Hz.
Amina nicht wußte, woher sie kam. Sie hörte die Worte: „Du hast das ersprießlichste
Kind der Menschheit und den Gebieter der Menschengemeinschaft auf die Welt gebracht!"
Zu
diesen Zeiten gab es eine volkstümliche Sitte. Das neugeborene Kind wurde bis
zum Sonnenaufgang mit einem Topf oder Kessel bedeckt. Das taten auch die drei
Pflegemütter. Doch was war das?
Es
machte klirr. Der Kessel, mit dem das schönste Baby der Welt bedeckt war, war
über ihm hinweggerollt und in zwei Teile zerbrochen. Darüber waren alle sehr
verwundert.
unter
den Juden gab es viele weise Männer. Sie hatten in ihren Büchern die Merkmale
und Eigenschaften unseres Gesandten studiert. Sie wußten auch, wohin er später
auswandern würde.
In
der Geburtsnacht unseres Propheten erschien ein außergewöhnlicher Stern. und
die jüdischen Weisen sagten: „Heute Nacht ist Ahmed auf die Welt
gekommen."
Wußtet ihr, daß der
zweite Name unseres Gesandten Ahmed ist?
In
Mekka hielt sich gerade ein jüdischer Händler auf. Es war der darauffolgende
Tag nach der Geburt Muhammeds (a.s.v.). Der Jude eilte völlig außer Atem zu
den Führern Koreischs und fragte:
„Hat
heute einer von euch ein Kind bekommen?"
„Wir
wissen es nicht." antworteten die Führer der Koreisch.
Da gesellte sich auch
noch Zorn zur Aufregung des Juden.
Er
sagte: „Bei Gott, ich bin erstaunt über eure Dickfelligkeit. Heute Nacht ist
der letzte Prophet mit dem Namen Ahmed auf die Welt gekommen. Er hat ein mit Haaren
bedecktes, rötliches Muttermal zwischen seinen zwei Schulterblättern!"
Alle
rannten aufgeregt nach Hause und fragten überall herum. Sie erfuhren, daß
durch Abdullah, dem Sohn von Abdulmuttalib, unser Prophet auf die Welt gekommen
war. und sie gingen und gaben dem Juden Bescheid.
Der
Jude bat sie, ihn zu ihm zu führen. Daraufhin brachten sie ihn zu unserem Gesandten.
Als er das Muttermal auf dem Rücken unseres Propheten sah, viel er in Ohnmacht.
Als
er wieder zu sich kam, fragte man ihn, was mit ihm geschehen sei. und er
antwortete:
„Bei
den Israeliten ist nun die Prophetengabe gegangen. Auch das Buch ist ihnen nun
genommen. Den Arabern wird es mit der Prophetengabe wohl ergehen."
Es
geschah in der Nacht, als unser Prophet auf die Welt kam.
Der Herrscher des Irans
namensNuschirevan fuhr durch einen
großen und gewal-
tigen Lärm aus seinem Bet.
Die Bevölkerung war auf die Straßen geströmt. Der
Anblick war fürchterlich.
Vierzehn
der großen feststehenden Türme des Herrscherschlosses stürzten mit einem
gewaltigen Getöse zusammen. Der Herrscher und das Volk verbrachten die Nacht in
großer Angst.
Sobald
es Tag wurde, ließ der Herrrscher die obersten Priester zu sich rufen. Er
setzte seine Krone auf und ließ sich auf seinem Thron nieder. Sie wollten über
das Ereignis der letzten Nacht sprechen.
Zwischenzeitlich
wurde eine Staubwolke aus der Ferne sichtbar und kurze Zeit später sah man
einen Reiter auf einem Pferd wie der Blitz heranreiten. Vor dem Tor angelangt
und ganz außer Atem sagte er:
„Ich
komme aus der Stadt Semave. Laßt mich ins Schloß. Ich habe einen Brief für
den Herrscher mitgebracht." Das Gespräch mit dem Torwächter war noch
nicht beendet, als erneut Hufgetrabe zu hören war. Noch ein Reiter mit einer
Botschaft für den Herrscher war gekommen.
Hatte
sich im Land etwa ein Aufstand angebahnt? Alle waren aufgeregt und in Panik.
Der Herrscher ließ einen der Briefe öffnen und der Schloßkommandeur begann
ihn zu verlesen:
„Das
Wasser des Tals Semave ist in der Nacht des 20. Aprils flutartig gestiegen und
hat die Stadt Semave überschwemmt. Die Bevölkerung ist in Panik geraten. Die
Leute waren gezwungen in die Berge zu ziehen. Sie verlangen nach Essen und Trinken."
Der
Herrscher öffnete zornig den zweiten Brief und gab ihn dem Schloßkommandeur
zum Vorlesen. Als der Kommandeur den Brief in der Hand hielt, wurde er plötzlich
blaß. Seine Hände zitterten und seine Augen starrten nur noch auf das Blatt.
Der Herrscher brüllte ihn an: „Was stehst du so herum! Lies endlich!"
Mit
stotternder Stimme fing der Kommandeur an zu lesen. In diesem Brief stand eine
noch schrecklichere Nachricht für sie. Das seit 1000 Jahren brennende Feuer war
erloschen. Die Zoroastrier (Feueranbeter) glaubten daran, daß das Feuer nie erlöschen
würde.
(Damals
waren die Iraner Feueranbeter. Sie verehrten das Feuer als Gott. Es gab bei
ihnen ein "ewiges Feuer" , wahrscheinlich eine Erdspalte aus der
Erdgas oder
Erdöl strömte, das sich
entzündet hatte, und das schon über lOOO Jahre brannte und
jetzt erloschen war.)
Der Herrscher Nuschirevan
befiel nun totales Entsetzen und Angst.
„Seltsam,
seltsam" raunte er. Es war wirklich zum Staunen. In einer Nacht waren drei
entsetzliche Ereignisse passiert und es waren Dinge, die bisher noch nie gesehen
wurden. Vierzehn Türme des Schlosses waren zusammengefallen, das seit tausend
Jahren brennende Feuer war erloschen und das Tal der Stadt Semave wurde
überflutet. Was hatte
das alles zu bedeuten?
Nuschirevan wandte sich
wieder den versammelten Leuten zu. Als erstes gab er
das Wort dem
Oberrichter. Dieser erzählte den Traum, den er in der vergangenen Nacht hatte.
„In meinem Traum", sagte er „habe ich eine Riesenherde wilder Kamele
gesehen, die mit einem arabischen Pferd den Fluß Tigris überquert haben. Dann
sind sie in unser Land
gekommen."
Dem
Mann, der das erzählte, konnte man vertrauen. Der Herrscher war beeindruckt.
„Was könnte dieser Traum bedeuten?" fragte er.
Der
Oberrichter meinte: „Es könnte ein Hinweis sein, daß in der arabischen Welt
sehr
bedeutungsvolle Ereignisse stattfinden werden, mein Herr."
Der
Herrscher war über alle Maßen erstaunt. Er verlangte jemanden zu finden, der
ihn über alles aufklären sollte.
,Wer
ist in der Lage, mir all diese sonderbaren Ereignisse zu deuten?" fragte
er.
Alle
dort Anwesenden antworteten wie aus einem Munde: „Das kann nur Satin
wissen."
Satih
war ein sehr sonderbarer Mensch. Er war ohne richtige Knochen auf die Welt
gekommen und die Leute sagten, er würde nicht einen Knochen im Leib besitzen.
Er mußte immer auf dem Rücken liegen und wenn man ihn irgendwo hinbringen
wollte, wurde er wie ein Bündel gefaltet. Doch er war ein sehr weiser Mann.
Die
Männer des Herrschers verloren keine Zeit. Sie machten sich auf nach Damaskus,
wo sich Satih befand.
Satih
lag in seinen letzten Zügen, als die Boten Nuschirevans bei ihm eintrafen. Er
war schon weit über 100 Jahre alt.
Die
Botschafter berichteten ihm über die Geschehnisse. Satih, der im Sterben lag,
lebte plötzlich auf, als er das hörte. Er machte seine Augen weit auf und rief
in voller Erregung:
„Der angesagte Prophet ist
gekommen!"
„Was
hat es dann zu bedeuten, daß 14 Türme des herrschaftlichen Schlosses eingestürzt
sind?" fragten die Botschafter weiter.
Satih
gab als Antwort:
„Es
werden so viele Monarchen von den Sasaniten kommen, wie die Anzahl der zerstörten
Türme. Dann wird dieses Reich nicht mehr existieren!"
Dies
waren die letzten Worte von Satih. Zur gleichen Zeit schlössen sich seine
Augen; Satih war gestorben.
Die
Botschafter gingen und berichteten dem Herrscher alles Wort für Wort.
(Später
ist alles so gekommen, wie Satih es vorausgesagt hatte. Es kamen 14 Monarchen
von den Sasaniten und der Iran war nun in der Zeit von Hz. Ömer ein Teil der
islamischen Welt.)
In
der Nacht, da Muhammed (a.s.v.) geboren wurde, wurde die Welt Zeuge dieser
Ereignisse.